Bergsport · Klettern · Sport und Leben · Work-Life-Balance

Cavewoman für einen Tag – Höhlenexkursion für Einsteiger

 

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Cavewomans High Heels. Foto: Nic Leonhardt

Wir wollen hoch hinaus – und lechzen doch nach Erdung. Wir wollen schneller, weiter – und sehnen uns doch nach Entschleunigung. Höhe, Erdung, Schnelligkeit und Weite sind Dinge, die man an manchen Orten vergeblich sucht. In Höhlen zum Beispiel. Was man stattdessen dort findet? Entschleunigung. Eine Relativierung von Raum und Zeit. Fokus. Vertrauen ins Selbst und in Andere. – Und jede Menge Stein. Gelegentlich feuchtes Glitzern, dann und wann eine freundliche Spinne.

Die Münchner Umgegend ist bekannt dafür, im Grunde ein großer Abenteuerspielplatz zu sein: Berge, Seen, Trekkingpfade und Höhlen: alles innerhalb einer Stunde erreichbar. Das Problem ist nur: vor lauter Arbeit, Alltagstrott und in die Ferne schweifenden Dienstreisen vergesse ich das manchmal. Gemeinsam mit meinem Freund und Kollegen Chris stürzte ich mich daher unlängst in das Abenteuer „Höhlenexkursion für Einsteiger“ von Outdoor Adventures, Wildwasserschule Inntal in Kiefersfelden.

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Im weißen Röckchen in die Rocks? Besser nicht. Foto: Chris Balme

Nach unserer Registrierung in der Zentrale von Outdoor Adventures und der Begrüßung durch den freundlichen Inhaber der Wildwasserschule Inntal, Robert Popp, starten wir, gemeinsam mit zwei weiteren Erkundungslustigen, und in Begleitung zweier pfundiger erfahrener Guides, Stefan und René, von einem Parkplatz nahe Oberaudorf und nehmen den kleinen Anstieg zur Burgruine Auerburg. Vorbei an gemütlich herumlungernden Lamas, die uns mit neugierigen Augen würdigen. Wir müssen ihnen einen seltsamen Anblick bieten in unseren Klettergurten mit Karabinerhaken und Seilen, gelben Helmen und Stirnleuchten. Für sie ein Tag wie jeder andere. Für uns ein kleiner Aufstieg in eine enge unbekannte Welt unter Tage.

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Ganz schön dunkel hier. Foto:  Chris Balme

Unterhalb des Burgbergs befindet sich die Höhle. Wir betreten eine Art Vorraum und nehmen erst mal Platz auf den mächtigen Steinen. René hat einen Rucksack voller Seile dabei, die  er in den folgenden Stunden permanent aus- und wieder einpacken wird, um uns zu sichern. Als wir in diesem Vorraum hocken und auf den nächsten Schritt warten, blicke ich mich um und versuche zu ergründen, wo denn nun der eigentliche Höhleneingang ist. „Dort geht es gleich rein und runter“, weist René zu einem ziemlich engen Spalt hinüber. Da sollen wir hindurch passen? Ich denke zwei Dinge: 1.: Das ist wohl ein Scherz, wo ist die „versteckte Kamera“? und 2.: an ein Zitat des verrückten Hutmachers aus Alice im Wunderland : „Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet.“ Und schlussfolgere für den heutigen Tag und die aktuelle Lage: Wenn 1. nicht greift, muss 2. greifen. Und wenn das hier eine Tour ist, die auch andere schon geschafft haben, dann ist es zu schaffen.

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Step by step führt hier ins schiere Leere. Abhängen mal anders. „Mehr Seil!“ Foto: Chris Balme

Wir schaffen das. Alle miteinander. Und das ist der Punkt, der mir sehr schnell klar wird: hier macht man nichts allein. Hier ist jeder Schritt des Einen auch einer des und für den Anderen. Da muss man eine Höhle betreten, um das zu erkennen. Für große Gedankenspiele ist hier nicht viel Raum. Stattdessen zählt Bedacht. Und mit Bedacht fliegt die Zeit raus aus dem Spiel, weisen Gestein und enge Wände Weg und Raum. Geduldig, erfahren, besonnen und mit Witz helfen uns René und Stefan bei der richtigen Anwendung unserer Sicherungsseile und Karabiner, geben uns Tritt- und Techniktipps beim Abseilen und in der Vorwärtsbewegung. Erst geht’s tief hinunter, tief, noch tiefer, entlang kalkhaltiger, mal schroffer, mal glatter Felswände, hie und da ein Vetterngruß einer Spinne. Du auch hier? Nice to meet you. Ciao. Je tiefer wir kommen, desto feuchter sind die Wände. Aber es gibt Halt. Wenn nicht durch einen Felsvorsprung, dann durch die Hände, das Sicherungsseil, mit Hilfe von ein bisschen Spinnenakrobatik. Langsam, Schritt für Schritt. „Mehr Seil!“, „Stand!“, „Seil frei!“ – kurz und knackig sind die kleinen Kommandos zur Verständigung mit dem Guide über Höhen und Tiefen, die René uns vorher beigebracht hat. Von Weiten in dieser Enge hier keine Spur. Klaustrophobie muss draußen bleiben.

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Holla die Bergfee! Geschafft. Höhlenausgang. Im Hintergrund Guide Stefan von Outdoor Adventures. Foto: Chris Balme

Irgendwann – sind es Minuten oder Stunden später? Ich weiß es nicht – sehen wir eine metallene Strickleiter von oben herab hängen. Hoch oben sehe ich das Tageslicht und das freundliche Gesicht von Stefan, der am Höhlenausgang auf uns wartet und schon mal unsere Aufstieghilfe gesichert hat. Auf das Klettern auf der Leiter freue ich mich, das ist ja wie ein Spielplatz hier! – Aber dann wird der Aufstieg doch ziemlich wackelig, schaukelnd und so sogar zu einer echten Herausforderung. Höher, weiter geht hier nur mit Umsicht: Schritt für Schritt schaukele ich nach oben, am Fels oder durch eine felsfreie Zone. Hoppla! Und dann sehe ich die grünen Zweige und Büsche, und noch ein Stückchen weiter oben den Himmel, und dazwischen Chris, der vor mir aufgestiegen war – und sogleich ein Foto von mir schießt.

Jetzt noch mit Sicherungsseilen am buschigen Hang entlang, immer einer und eins nach dem anderen, einhaken, aushaken, einhaken, aushaken, geht es dann durchs Tageslicht schließlich wieder auf die grüne Plattform vor der Burgruine, auf der wir gestartet waren. Wie lange ist das her? Keine Ahnung. In Sehnen und Kopf, Knochen und Herz strömt ganz viel „Glück auf“, das Zeitgefühl muss irgendwo im Tal sein.

Während wir auf die anderen warten, ist nach dem Tiefer, Kälter, Steiniger auch ein Genuss von Höhe und Weite drin: auf einer Schaukel am Baum, die im Helm zu schaukeln man auch nicht alle Tage das Vergnügen hat. So hoch oben, schwinge ich mich und meine schmutzige Weste und meine neuen Gedanken in die Horizontale. Was für ein grandioses Erlebnis, diese kleine Exkursion in die Welt unter dem Alltag. Als ich den Helm absetze, kommt mir der verrückte Hutmacher wieder in den Sinn: „Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet.“ Höhle, Caving, Wandern, Klettern –, das will ich jetzt häufiger machen. Am liebsten morgen wieder.

Da müssen Lebensjahrzehnte ins Land gehen, bis ich zum ersten Mal den Weg in eine Höhle finde – und jetzt will ich eigentlich gleich morgen schon wieder runterkraxeln und wieder hinauf, runter, wieder hinauf, runter …. Das mag an dem Thrill liegen, etwas so Archaisches wie eine Höhle zu betreten und es zu schaffen, ihre auf den ersten Blick nicht im Geringsten passierbaren Verengungen und Abgründe zu meistern. Das mag aber auch daran liegen, dass man beim Höhlenwandern und -klettern die Gesetze von Raum und Zeit schachmatt legt, keine anderen Gedanken als den an den nächsten Schritt zulassen kann und mag. Das mag auch daran liegen, dass man Vertrauen (neu) weckt: in sich, in den Nächsten, in den Vorherigen, in Alle, die im Wortsinne „mitgehangen und mitgefangen“ sind. Dort, in dieser Höhle.

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Nach dem Ausstieg aus der Höhle durchs laue Lüftchen ins Panorama schaukeln. Unter dem Helm: neue Flausen im Kopf… Foto: Chris Balme

Wie gut, dass das hier alles vor meiner Haustüre liegt. Die Natur, dieser große wilde Spielplatz. Ohne in die Ferne zu schweifen, hoch hinaus, geerdet, erweitert und bereichert. Danke, Chris, danke, Stefan und René! Und Glück auf mehr als ab 🙂

 

 

 

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Hallo Tag! – Routine am Morgen

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Sand am Meer. Friedlicher Morgen (Kerala). (Foto: Nic Leonhardt)

Es ist nicht leicht, in einer Umgebung und in einem Beruf, der einem viel Zeit, Energie und gute Leistung abverlangt, zentriert zu bleiben oder den Überblick zu bewahren. Als Wissenschaftlerin und Autorin habe ich so einen Beruf. Ich liebe meine Arbeit und möchte eigentlich nichts Anderes machen. An manchen Tagen aber scheint sich alles zu türmen und in seiner Fülle schier nicht zu bewältigen. An wiederum anderen sind die Berge zwar weiterhin hoch, aber es gelingt, mit Verve durchzusegeln. Hier einen Haken gesetzt, da eine Klärung, – es läuft. Ausreichend Schlaf hilft, ein guter Ausgleich – doch ist für letzteren gar nicht immer die Zeit.

Umso wichtiger sind mir daher die Morgenstunden, die sehr frühen zumal, die ich gerne mit einer Routine beginne. Ich mag den Morgen. Das war immer schon so. Ein neuer Morgen ist immer wie ein Neu-Beginn, wie eine neue Seite, die es zu beschreiben gilt. Selbst die Luft ist klarer, ob es regnet, windet oder nicht. Wenn ich morgens, sagen wir, gegen 5/ 5:30 Uhr aus den Federn springe (manchmal quäleschäle ich mich auch), ist noch alles neu. Draußen nur partiell Geräusche von anderen Frühaufstehern, hie und da wird ein Rollladen hochgezogen, schnurrt eine Kehrmaschine, beenden Early Birds ihr erstes Gezirze, gerade jetzt im Sommer. Herrlich ist das!

Über die Jahre und dank meiner Reisen nach Asien habe ich einige kleine Routinen aus dem Ayurveda in die ersten Stunden des Tages integriert.Ein Morgen mit diesen Routinen kann nur der Beginn eines guten Tages sein. Nach dem Aufstehen einen Tee und ein nettes heißes Zitronen-Ingwerwasser, Zungenreinigung, Nasenspülung, Trocken- oder Ölmassage (mit erwärmtem Öl!) von Kopf bis Fuß. Dauert gar nicht lang und fühlt sich großartig an. Und so „gereinigt“ und aufgeweckt, begebe ich mich in eine kurze Atem-Meditation (Pranayama). Dann rolle ich meine Yogamatte aus, lockere ein wenig meine Muskeln und schüttele den restlichen Schlaf und die Traumreste aus. Besonders gerne zu der wunderschön leichten und friedlichen Musik von Quentin Dujardin oder Sona Jobarteh. Im Grunde jeden Morgen mache ich den Sonnengruß mit Harmonium von Alexander Brandt und Nico Glökler, die ich über meine Arbeit als freie Texterin für fitkurs kennen gelernt habe. Diese Folge des Surya Namaskar in Kombination mit den beruhigenden und zuversichtlichen Klängen des Harmoniums ist ein nahezu ideales Aufwärmprogramm. Es dauert nur knapp 10 Minuten, und entweder reicht das für heute oder ich verdoppele den Sonnengruß, weil er so schön ist und so gut tut. Oder ich ergänze ihn im Anschluss noch mit ein paar eigenen Asanas, je nachdem, was ich da noch brauche. Sehr gerne lasse ich auch nach dem Sonnengruß noch den Krieger-Flow folgen, ebenfalls von Alex Brandt, produziert von fitkurs. Genial energetisch, macht stark wie ein Bär!

Danach lockern, dehnen, noch einmal in mich hineinhorchen: Wie geht’s mir? Was steht an? Was ist heute wichtig? Welche sind meine Vorsätze für die kleine und die große Welt, in der ich mich tummele, und der ich immer auch Verantwortung für andere trage?

20180718_181153Dinge sind gut.

Hallo Tag! –

Und hallo, geliebter Schreibtisch, bist ja immer noch so voll 😉

Dann wollen wir mal!

* * * * * * * * * * *

*) Zur sinnigen Gestaltung eines Tages in Anlehnung an die ayurvedische Lehre empfehle ich Ernst Schrott: Ayurveda. Die besten Tipps aus dem jahrtausendealten Naturheilsystem. München: Goldmann 2014 [2004].

 

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Sightrunning: Schauen, was läuft

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Early Bird läuft über die Place des Vosges, Paris (photo: Nic Leonhardt)

In meinem Hauptberuf als Wissenschaftlerin mit einem internationalen Arbeitsbereich komme ich nicht umhin, oft und manchmal weit zu reisen. Forschungsaufenthalte in fremden Städten oder Ländern gehören ebenso dazu wie Konferenzreisen nach Nah und Fern. Ich mag das, trotz der Strapazen, die dies auch mit sich bringen kann: schon wieder Packen, lange Flüge oder Fahrten, Jetlag, anderes Klima, Abweichen von meiner üblichen Ernährung, unbekannte Verkehrsnetze, Zeitverschiebungen, – von den kulturellen Unterschieden in Alltag und Geschäftspraxis nicht zu reden.
Da Sport zu meinem Tagesprogramm gehört wie Zähneputzen, Kaffee trinken und Schlafen, habe ich immer ein Physio-Band im Gepäck und mein Yoga-Programm im Kopf. Alternierend beginne ich den Tag mit einer Gymnastik mit dem Band oder einem Yoga-Flow. Ohne geht es eigentlich nicht. Schwimmen ist oft schwierig, Radfahren nicht immer empfehlenswert. Bleibt noch Laufen. Aber wie und wo geht das in unbekannter Umgebung, wenn man das Laufband im Hotel nicht mag – falls es überhaupt eines gibt?

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Walk/ Don’t Walk. (photo und Verfremdung: Nic Leonhardt)

Seit mir einmal auffiel, dass ich, wenn ich dienstlich reise, oft nur den Weg vom Hotel zum Tagungs- oder Forschungsort (Archiv, Bibliothek, Meeting-Räume) kenne, auch wenn ich in den schönsten Städten unterwegs bin, die meine Freunde und Andere als Touristen bereisen, habe ich immer meine (leichten und leicht zu verstauenden) Laufschuhe dabei und fröne jeden zweiten Tag dem Sightrunning, dem Laufen entlang von Sehenswürdigkeiten oder „Sehenswertem“, einer Mischung aus Bewegen und Touristin-Sein. So komme ich zu meinem geliebten Lauf UND bekomme die Umgegend zu sehen. Ich besichtige also joggend den jeweiligen Aufenthaltsort. Das macht großen Spaß und gefällt mir besser als eine geführte Tour (zu der ich, davon mal ganz abgesehen, auch gar keine Zeit hätte). Neben dem Training hat Sightrunning den erfreulichen Nebeneffekt, dass ich mich besser in der fremden Gegend zurechtfinde, auskundschaften kann, wo es Märkte, Banken, Post, Theaterhäuser gibt – und an den namensgebenden Sehenswürdigkeiten des Sightrunning komme ich je nach gewählter Route auch vorbei.

 

Viele Städte weltweit haben erkannt, dass diese Kombination vielen Läufern auf Reisen gefällt. So gibt es eigentlich in jeder größeren Gemeinde auch organisierte Angebote von Firmen oder Einzelunternehmen für Sightrunning-Touren unterschiedlichen Niveaus und unterschiedlicher Länge, und natürlich unterschiedlicher Besichtigungsinteressen.* Weil ich flexibel sein muss und möchte, wähle ich mir aber immer meine eigenen Routen: entweder laufe ich einfach los (und Gefahr, mich auch einmal zu ver-laufen) und schaue mich laufend um, oder ich spähe vorher eine Strecke oder ein Ziel aus, etwa eine Kirche, ein Theater, eine Markthalle, einen Flussabschnitt oder dergleichen.

Ich laufe meistens morgens, um für den Tag wach und gewappnet zu sein. Am liebsten noch vor den üblichen Büro- und Ladenöffnungszeiten. Dann, wenn die Kinder zur Schule aufbrechen, die Straßen noch gefegt werden, die Bäckereien den schönsten Duft verbreiten, man noch das Gekreische von Vögeln hört, bevor der Verkehr überhand nimmt. Herrlich ist das!  Manche bevorzugen den Lauf am Abend, zum Abschalten oder zur Belohnung nach einem Diensttag in der Fremde. Es hat zweifelsohne auch einen besonderen Reiz, sich in einer Feierabendstimmung die Beine zu vertreten, umringt von anderen Feierabendgelaunten oder Gassi gehenden Bewohnern des Gastortes und lokalen Joggern.

Egal wie gestaltet, ist Sight-Running für lauffreudige neugierige (Geschäfts-)Reisende eine super Sache. Und „Schau-Laufen“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.

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Unverkennbar New Yorks Skyline. Aufgenommen beim Morgenlauf im Central Park, Ufer des Jacqueline Kennedy Onassis Reservoir.  (photo: Nic Leonhardt)

 

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*) Die Angebote am besten durch Eingabe der Suchbegriffe Sightrunning und Zielort/ -region online recherchieren. Ich kann hier keine Empfehlungen aussprechen. Die Vielzahl der Angebote ist enorm; Reisepläne und Vorlieben zu individuell.

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NIA = Bewegung zum Glück

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NIA Session mit Joanna (ganz vorne am Wasser; ferner, von links nach rechts: Roisin (Dublin), Nic (München), Rebecka (Stockholm) Foto: Geraldine McMahon (London))

Eigentlich wollte ich ja über mein Yoga- und Surf-Retreat auf Gran Canaria berichten, in das ich über die weihnachtlichen Feiertage ‚geflohen‘ war. Aber dann lernte ich all diese tollen Frauen kennen, mit denen ich nicht nur täglich zum Yoga und Meditieren ging, sondern mit denen ich auch das Hostel teilte – und Lebensgeschichten  – und mit denen ich den ein oder anderen spanischen Traubensaft genoss – und Tapas – und Café con leche –  und Tränen des Lachens. Herrlich! Unter ihnen war Joanna aus Glasgow, die uns, als wir uns über unsere Fitness-Vorlieben austauschten, von „NIA“ erzählte. Keine von uns hatte je davon gehört, und weil Joanna NIA-Instructor ist (Nia Movement and Dance Glasgow), gab sie uns am nächsten Morgen nach dem Yoga eine Schnupperstunde  am Strand von Las Canteras (wie die Fotos zeigen, wettergerecht am Heiligen Abend :-)).

Um es vorweg zu nehmen: am Ende der anderthalbstündigen Probe-Session hatten wir nicht nur die Füße voller Sand, sondern die Herzen offen, die Gesichter voller Frische und mit einem Dauergrinsen versehen, unsere Körper voller Leichtigkeit, Schwung und Sprung. Sieh an: NIA. So kurz der Name, so umgreifend grandios die Wirkung. Ein tolles Workout, das sich gar nicht wie eines anfühlt – mehr wie eine ausgelassene Stunde auf dem Dance-Floor, die richtig fett glücklich macht.

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Auf den Spuren des Flows. NIA Session mit Joanna (auf dem Bild: Roisin, Nic, Joanna; Foto: Geraldine McMahon)

NIA ist ein Akronym für Neuromuskuläre Integrative Aktion (Neuromuscular Integrative Action) und bedeutet ein Bewegungsprogramm, das Elemente aus dem Modern Dance, Ballett, Tai-Chi, Alexander Technik, Tae Kwon Do, Aerobic und Kampfsport miteinander verbindet. Entwickelt haben dieses überraschend harmonierende Potpourri aus unterschiedlichen Körpertechniken die amerikanische Trainerin Debbie Rosas, die seit den späten siebziger Jahren bereits auf dem Gebiet des Body-Mind-Centering tätig ist, und der ehemalige Tennisspieler Carlos AyaRosas.

52 Grundübungen gibt es für Beine, Arme, Kopf und Rumpf, die sich flexibel miteinander kombinieren lassen, alle entnommen den genannten Bewegungsformen: Haltungen und Schritte, Beugen und Kreisen, Kicks und Fingerübungen. In kleinen Choreographien, die sich mit freien Bewegungen im Raum abwechseln, wird das Programm zu Musik absolviert. Die Dynamik der Bewegungen folgt dabei der der Musik.  Es schult die Beweglichkeit, die Koordination und Kondition, die Selbstwahrnehmung der Ausübenden, regt sanft Herz und Kreislauf an und ist dabei im Vergleich zu anderen Workouts Gelenke schonend. In der Regel gibt ein Instructor die Bewegungen vor (es gibt auch zahlreiche Video-Tutorials, einfach mal stöbern), die Trainierenden machen die Bewegungen nach, so dass wie von Zauberhand eine ornamentale Gruppen-Formation entsteht. Obwohl man ständig in Bewegung ist, vergisst man ziemlich rasch, dass man gerade  trainiert – weil es sich gar nicht wie ein Training anfühlt.

Wir hatten jedenfalls mächtig Spaß und wollten gleich am nächsten Morgen nach dem Yoga wieder zum Strand – zum NIA mit Jo. Die Kameras der Strandspaziergänger standen nicht still – aber wir ja auch nicht 🙂

NIA ist noch nicht so weit verbreitet, wird aber in den Großstädten bereits angeboten. Auf Nianow sind Suchen nach Studios in Deiner Stadt möglich.

 

 

Sport und Leben · Laufsport · Work-Life-Balance

Herbstlauf

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Leute, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Legt Eure Daumen auf die Pulsmessuhren

Und auf dem Laufweg trotzt den Winden, los!

Bewahrt die Form und redet Euch ein, toll zu sein.

Denkt in der Kälte an die südlicheren Tage

Und peitscht Euch tapfer durch die matschbeschwerten Pfade.

Jagt hübsch Laktate durch die schwere Wade.

Wer jetzt kein Sixpack hat, kriegt heuer keines mehr.

Wer jetzt Sportmuffel ist, der wird es lange bleiben.

Wird kochen, lesen, lange e-mails schreiben. –

Wird sich in flaumigweichen warmen Decken wälzen, –

derweil die Laufjunkies durch nasse Blätter stelzen.

 

  (frei nach Rainer Maria Rilke)

Herbstlauf

Gymnastik · Körperkult · Sport & Politik · Sport und Leben

Turnen – Körper, Kult, Politik

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Ornamentik der Gruppe – Leibesübungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. (foto: wiki commons)

„Frisch, fromm, fröhlich, frei“ … – Die Geschichte des Turnens ist auch eine Kultur-Geschichte des Körpers, ist eine Geschichte des Kultur-Körpers, der Körper-Kultur und -Politik.

In einer Performance, Versuch über das Turnen, die am 2. und 3. November in der Städtischen Turnhalle München im Rahmen des Münchner Theater-Festivals SPIELART zur Aufführung gelangt, widmet sich die ‚künstlerische Forschungsgesellschaft‘ Hauptaktion unter Hannah Saar, Julian Warner und Oliver Zahn der engen Verbindung von Turnbewegung und Nationalismen in Deutschland seit Turnvater Jahn:

„Anhand der historischen und zeitgenössischen Praktiken und Diskurse der deutschen Turnbewegung lässt sich eine Geschichte deutscher Nationalismen erzählen – vom Wehrturnen 1811 auf der Hasenheide bis hin zur Stadiongala des Turnfestes 2017 in Berlin unter dem Motto: »Wie bunt ist das denn?«. VERSUCH ÜBER DAS TURNEN – EIN TANZFONDS ERBE-PROJEKT in Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen, nutzt das choreografische Vokabular der Turnbewegung für eine Beschäftigung mit der Verbindung von Körper, Gemeinschaft und Nation. Eine heterogene Gruppe von Performer*innen setzt sich der Geschichte des Turnens aus, tritt in Vereine ein, eignet sich turnerische Praktiken an und wird so selbst zu Turner*innen. Ergebnis dieses Prozesses ist ein deutschnationales Schauturnen, ein Spektakel unzulänglicher Körper, das sich der Inszenierungsweisen der großen Turnfeste bedient.“ (Quelle: SPIELART)

Gefördert von Unknown-2Tanzfonds Erbe  

 

Facebook-Nutzer können hier einen Trailer zum Projekt einsehen.

Gymnastik · Meditation · Work-Life-Balance · Yoga

Yin-Yoga

yin yangSich in eine Haltung zu begeben und sie für eine Weile zu wahren, in ihr stabil, aber wohltuend zu verweilen, fühlt sich mindestens ebenso energetisch und bereichernd an wie eine temporeichere flüssige Abfolge. Im Yin Yoga ist das Verweilen Prinzip. Yin steht in der chinesischen Philosophie für das weiche, weibliche, das Prinzip der Ruhe und Passivität. Es ist damit ergänzender Gegenpol zum aktiven, bewegten und kraftvollen Yang. Im Leben wie im Yoga brauchen wir beides. Beide Facetten ergänzen sich optimal Kraft und Ruhe bringend.

Für fitkurs habe ich ein neues feines Video getestet, Yin-Yoga mit Nico. Es dauert ca. 45-50 Minuten. Hier geht es nicht um eine dynamische Abfolge der Asanas, sondern um ein wenig anstrengendes Verweilen in den zumeist im Liegen und Sitzen ausgeführten Positionen für einige Minuten. Yin-Yoga spendet Ruhe und dehnt die Muskeln und Faszien. Tut irre gut.

Ich empfehle einen Sonnengruß oder was Euch behagt zum Aufwärmen davor.  Und dann: mit Yin-Yoga Sonne ins Herz und Licht ins Bindegewebe 🙂

Namaste!

 

 

Gymnastik · Meditation · Work-Life-Balance · Yoga

Was zählt? Was Du kannst! Yoga für Anfänger

Alle reden über Yoga. Alle machen Yoga. So scheint’s zumindest. Über Yoga gibt es viele Missverständnisse, herrscht falscher Leistungsanspruch. Viel Marktbrimbrorium. Braucht kein Mensch. Bei Yoga zählt allein, was Du kannst. Du machst es nur für Dich.

Für fitkurs habe ich ein neues Video für Yoga-Einsteiger getestet und betextet, das ich richtig gut finde. Daher empfehle ich es auch hier. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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Herabschauender Hund? Heraufschauende Katze! (Quelle: german.china.org.cn)

Und wenn das mit dem Herabschauenden Hund noch nicht so recht klappen will: probier‘ doch einfach die Heraufschauende Katze. Die Welt, so viel steht fest, sieht von da unten schon gleich ganz anders aus.

Licht ins Herz!

Pfoten geerdet!

Namaste!

Gymnastik · Work-Life-Balance · Yoga

Sonnengruß im Sitzen

Man kann im Büro ja so ei20000163ki_13_fniges tun: Kaffeetrinken, flirten, Blumen gießen, im Internet surfen oder auch, und wohl die meiste Zeit des Tages: arbeiten. Telefonieren, Briefe tippen, E-mail-Korrespondenz, Angebote schreiben, Ablage sortieren, Ordner wälzen – was auch immer ansteht im Büroalltag: Neben der Tatsache, dass diese Tätigkeiten uns zum Gelderwerb dienen, haben sie noch etwas gemeinsam: sie finden sämtlich im Sitzen statt.

In dem neuen Video von fitkurs  mit Yoga-Lehrer Alexander Brandt lässt sich Sitzen auch dynamisch gestalten. Beim Sonnengruß im Sitzen geht es genau darum: sitzen zu bleiben und Yoga zu machen. Einfach mal ausprobieren. Tut geht, dehnt, mobilisiert, entspannt  und hilft, Gedanken zu ordnen und zu fokussieren.

Es geht natürlich nichts über den Sonnengruß, Surya Namaskar, wie wir ihn kennen. Aber wenn der gerade nicht geht, geht ganz sicher diese Sonne im Sitz.

Meditation · Work-Life-Balance · Yoga

Om Shanti – Ruhekraftklangkörper

 

Vor wenigen Wochen war ich für ein paar Tage zum „ReparatUrlaub“ in Kerala, Indien. Ein anstrengendes , arbeitsintensives Jahr lag hinter mir. Ich war hungrig nach Erdung, gutem Essen, guten Gesprächen, „Entschleunigung“, „Digital Detox“, Yoga, Meditation; nach jeder Menge Ruhe, Weite, Tiefe. Und all das bekam ich in diesem kleinen Ort Kovalam, in dem die lautesten und gleichsam schönsten Geräusche das Meeresrauschen und das Kreischen und Schnattern mir unbekannter Vögel hervorbrachten. Zehn Tage lang ein wohltuendes Fest, ehrliche Erdung in einer Region, die von den Indern „God’s Own Country“ genannt wird.

Zu meinen täglichen Routinen gehörten neben dem Spaziergang am Meer die Yogastunden und die Meditation unter Anleitung von Dibu, einem begnadeten Yogi und Lehrer im Manaltheeram Resort. Im tropisch-paradiesischen Umfeld des Resorts schien beim Ausüben der Asanas und Atem-Meditationen alles extra weit weg, alles extra intensiv, heilsam, regenerativ.

Als ich meinen Rucksack für die Heimreise packte, war klar, dass diese Routine der Ruhe auch in meinen Alltag fern dieses wunderschönen Erden-Fleckens einziehen sollte.

Zurück in München, schickte mir Carsten Merz von fitkurs.de (für die ich, wie Ihr wisst,  als Texterin tätig bin), das Kurzvideo Sonnengruß mit Harmonium zum Testen. Und was soll ich sagen: dieses zehnminütige Programm ist seitdem mein kleinfein gebündelter Kerala-Ersatz in Sachen Ruhe und Kraft durch Yoga und Meditation.

Alex Brandt und Nico Glökler vom Yogastudio friedrich31 nehmen in dieser zehnminütigen Sequenz den beliebten Sonnengruß wörtlich – beziehungsweise musikalisch – als „Ode an die Sonne“: Während Nico unter Alex’ fachkundiger Anleitung die einzelnen Asanas des Sonnengrußes vorführt, „sagt/singt“ Alex sie an, und zwar musikalisch untermalt durch ein Harmonium! Die im besten Sinne gleichförmigen Bewegungen des Körpers, die gedehntluftigen Harmonien des Instruments und Alex’ volle warme Stimme schwingen, tönen, vibrieren  ganzheitlich ein. Musik und Körperbewegung werden eins in dieser kurzen Folge, die mit einer meditativen Kraft und Ruhe durchströmt, dass einem eigentlich nichts Schlechtes mehr widerfahren kann an diesem Tag.

Dieser originelle Sonnengruß mit Musik erlaubt mir fortan einen klangvollwohligen Start in den Tag oder hilft mir den Einklang mit mir selbst zu wahren.

Und dafür muss ich nicht mal in ein Flugzeug steigen 😉

Om Shanti! 

Sport und Beruf · Sport und Leben · Yoga

Tanzender Krieger: Kurz-Video im Test

 

Es gibt Asanas im Yoga, die schenken so viel Energie, Kraft und Zuversicht, dass ich mich manchmal wundere, warum sie nicht noch früher in mein Leben traten. Zu diesen Kraft spendenden Haltungen gehört für mich zweifelsohne die des „Kriegers“, Virabhadrasana.

Der „Krieger“ möchte weniger das Martialische eines Kämpfers transportieren als vielmehr unsere innere Stärke, Zielgerichtetheit und unser Selbstvertrauen wecken. Gelegentlich in eine Abfolge von Asanas oder den Sonnengruß integriert, lässt sich der Krieger (Krieger I,I, III) durchaus auch isoliert ausüben, wie in dem kleinen feinen Video Yoga-Flow: Der tanzende Krieger, das fitkurs, für die ich als freie Texterin arbeite, mit Alexander Brandt, einem meiner Lieblings-Yoga-Instruktoren, gedreht hat.

Die Abfolge ist einfach. Alex erklärt sie zu Beginn im Tempo reduziert und auf den Punkt und erinnert uns, wie immer im Yoga, auch an die harmonische Atmung und Haltung. Sitzen die Einzelschritte, ergibt sich wie von alleine ein Flow, ein stimmiger Tanz – der Bewegungen und der inneren Haltung.

Das Video läuft knappe 9 Minuten, mein Flow sagt, dass ich noch ein paar Minuten dran hänge. Weil es SO gut tut!

Heute Früh half mir der Krieger-Flow beim Wach- und Klar-Werden. Aber auch vor einem komplizierten Telefonat, in einem Mittagstief pusht er dich neu, verleiht einen angenehmen inneren Kick vor einem Date oder große innere Ruhe und Haltung vor einer kniffligen Jobsituation – um nur einige wenige Anwendungsgebiete zu nennen.

Probier es mal aus, bring den Krieger zum Tanzen und schau wacher aus der Wäsche  🙂

Namaste! 

Daten zum Video

  • Dauer: 9 Minuten
  • Level: alle
  • Hilfsmittel: keine
  • Produziert von logo-fitkurs

 

Fotos im Blog Post (oben)

Nic  Leonhardt,morgens um 6 🙂

Radsport

Der Fahr-ums-Haus

fahrumshausWie könnte ich den kleinen Michael vergessen?! Er fuhr ja jede Woche – ach, was sag ich: jeden Tag! Tagein, tagaus – ums Haus.

Neulich fiel er mir wieder ein, als ich einen alten Super8-Film anschaute, den seinerzeit mein Vater von mir gedreht hatte: ich im zarten Vorschulalter, auf dem neuen roten Fahrrad. Ich mochte nie Linkskurven, man sieht das in dem Film: gerade so an der Bordsteinkante vorbei. Noch im selben Jahr geschah es, dass ich die Kurve nicht bekam und schnurstracks in der Berberitze des Nachbarn landete.

Aber Michael?! der fuhr zwei Straßen weiter weiter ums Haus: linksrum, rechtsrum, immer im Kreis. Bis die Eltern riefen, er solle zum Abendbrot reinkommen. Sie wollten nicht, dass er weit weg fuhr. Er sollte nicht, er wollte nicht. Der Kleine hatte schnell einen Spitznamen: im Dorf nannte man ihn den „Fahr-ums-Haus.“ „Ich habe eben den Fahr-ums-Haus gesehen; anscheinend ist die Familie aus dem Urlaub zurück“, berichteten neugierige Nachbarn.

Ach ja, der Fahr-ums-Haus.

Je mehr ich über ihn nachdenke, desto eher erschließt sich mir, dass es das vermutlich ist, was sie alle an- und umtreibt, ihr Vélociped zu satteln, egal ob Freizeitradler, Amateure oder Profis: Ein bisschen im Kreis herumfahren und dann im geborgenen Umfeld etwas zu essen bekommen.

Um das mal zu ventilieren:

Mountainbiker unternehmen gerne Panorama-Fahrten. Ein Panorama ist ein Rundblick, den eine Rundfahrt gewährt. Und was kommt am Ende der Panorama-Tour? Ein rundes Loch im Magen.

Oder nehmen wir die klassischen Renn-Kurse: Tour de France, Giro d’Italia, Rund um den Henninger Turm oder den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt, die Deutschland-Rundfahrt – im Grunde ein zyklisches Perpetuum Mobile: Trikotierte Trittfrequenzler rasen im Affenzahn durch die Lande, bergauf, bergab, Linkskurven, Rechtskurven, durch Ulm und um Ulm und um Ulm herum. Um sich am Ende der Tour mit Sekt, blonden Schnittchen, Nudeln und Massagen zu bauchpinseln.

Oder das Sechstagerennen: die Radler fahren auf einer Bahn, immer im Kreis, und danach gibt’s Rundengewinner und Hungergewimmer. Und wofür das Ganze? Sie ahnen es.

Nicht zuletzt die klassische Fahrrad-Tour, besonders bei uns Deutschen beliebt (warum bloß?) Sie beginnt und endet meist am selben Ort: zu Haus’. Mit Sack und Pack gesattelt, beginnt man die Fahrt, hortet im Not-Korb Rast-Kost, spurt nach Karten und spürt auf Strecken, die hin und zurück führen, dran vorbei und ins Geäst; auf dem Rückweg hoppst der große Hunger auf den Lenker und gemeinsam fährt man ins Abendrot gen Abendbrot.

Ob der kleine Michael noch jemals längere Fahrten anging? Wenn ihm der Weg das Ziel war, sicher. Wenn ihm das Ziel Ziel, war es auch ohne Umwege eine runde Sache: links herum, rechts herum, tagaus, tagein, dann heim.

So schließt sich der Kreis ums Haus herum wie mein Gedanke um Fahr-ums-Haus: Ich hab Hunger.